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Davos
(Schweiz). Als
die Delegierten des jährlichen Weltwirtschaftsgipfel im alpinen Erholungsort
Davos in der Schweiz am 25. Januar ankamen, fanden sie dieses Mal ein
herzlicheres Willkommen als sonst üblich vor. Bei der Ankunft am Zürcher Flughafen wurden sie
durch große blau-weiß beleuchtete Werbetafeln begrüßt worauf die Teilnahme
Indiens am Forum groß angekündigt wurde.
Auf einem Schild war zu lesen: “India: the
world’s fastest-growing free-market democracy”.
Andere lobten Indiens wachsenden Wirtschaftsheldenmut (momentan gibt es in
Indien 91 Firmen mit einem Jahresumsatz von über 1 Milliarde US-Dollar),
seine 500 Milliarden US-Dollar starke Marktkapitalisierung und den beträchtlichen
und jungen Verbrauchermarkt.
Gäste, die im Hotel warteten, erhielten Geschenke aus Indien – einen Pashmina
Schal, einen Apple iPod (APPL) vollgeladen mit indischem Pop und klassischer
Musik, ein traditionelles Kunstgeschenk, einige ayurvedische Öle zusammen mit
einer CD über sämtliche wirtschaftliche Informationen des Landes.
“Indien ist überall”
Die Inder hatten einiges
an Talent mitgebracht um den alpinen Schnee zum Schmelzen zu bringen.
Am Abend hatten die Bars an einigen Hotels “Indian Hours” eingeführt wo
es indischen Wein, indisches Bier und kleine Snacks wie z.B. Samosas und
Kebabs gab – das Essen wurde von keinem Geringeren als den berühmten
Chefkoch Hemant Oberoi serviert.
Am vorletzten Abend fand eine Abendgala statt, dass das Highlight der
Forumstage bildete. An diesem Abend ging auch schließlich die Konferenz zu
Ende. Das neue und moderne Zeitalter Indiens wurde in all
seiner Pracht dargestellt und den Gästen und Zuschauern näher gebracht.
Es wurden Tänze vom Bollywood Choreographen Shaimak Davar vorgeführt und
Musik-Mixes von DJ Aqueel und Gesangseinlagen von Usha Uthup waren zu hören.
Nehru-Jacken und Seidensaris waren auf jeden Fall in den Garderoben der
Anwesenden empfehlenswert gewesen denn die indischen Designer zählten schließlich
auch unter den zahlreichen Gästen.
Die Show, die Indien dieses Mal in Davos bot, war dennoch ein anderes Zeichen
– das Land zeigte vor allem, dass dieses wirtschaftlich neu aufgestiegene
Land bereit ist, auf internationalem Parkett mitzuhalten.
Branding und Marketing sind nicht einfach nach Indien gekommen dessen Kultur
noch als unterbewertet und unerwähnt gilt.
Aber einige der berühmtesten indischen Einheimischen haben sich gedacht, dass
es genau jetzt an der Zeit ist „Indiens Profil in der globalen Gesellschaft
zu steigern“, sagte Nandan Nilekani, Hauptgeschäftsführer
der 1,2 Milliarden Dollar teuren Firma Infosys Technology und Gründer der 3
Millionen Dollar teuren öffentlich-privaten Kampagne „India Everywhere“.
Groß
und schön
Natürlich konnten die
Teilnehmer des diesjährigen Weltwirtschaftsgipfel erwarten täglich etwas von
Indien zu sehen – überall.
Das Land ist als eines der wichtigsten acht Unterthemen dieses
Wirtschaftsgipfels gekennzeichnet worden. Der sehr erfolgreiche und prominente
indische Geschäftsmann Mukesh Ambani übernahm die Schirmherrschaft der
Veranstaltung von Peter Brabeck-Letmathe (Vorstandsvorsitzender bei Nestlé).
Indische Referenten nahmen an 60 der insgesamt 300 Konferenzen teil.
Um möglichst überzeugend und erfolgreich auftreten zu können, schickte
Indien eine 115-köpfige Delegation in die Schweiz.
Im Gegensatz zum letzten Mal, im Jahre 2005, waren das fast viermal soviele
Teilnehmer. Die indischen Vertretung in Davos übertraf sogar um ein Vielfaches
die Delegation aus China die gerade mal mit 30 Personen angereist war.
Zu den Teilnehmern zählten dieses Jahr u.a. Indiens Premierminister Manmohan
Singh, indische Finanz- und
Verkehrsminister aus den Staaten wie Rajasthan und Kerala, die für
Auslandsanlagen wichtige Anlaufstellen geworden sind – auch einflussreiche Gäste
wie der Telekomkönig Sunil Mittal und der Bankier K.V. Kamat nahmen am Forum
teil. Sie zählen mitunter zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten des Landes.
Auch die intellektuellen und “schönen” Leute waren eingetroffen um Ihren
Platz unter den ganz Großen einzunehmen: der Wissenschaftler und
Nobelpreisgewinner Amartya Sen präsentierte und besprach sein neuestes Werk
„The Argumentative Indian“.
Neben Pheroza Godrej, Kunsthistorikerin, Ökologin und Autorin des Werkes „A
Zoroastrian Tapestry - Art, Religion and Culture“, war auch Shabana Azmi –
Schauspielerin und Aktivistin – anwesend.
Feine Damen der Gesellschaft wie Parmeshwar
Godrej waren da – wie üblich ihren Nerzmantel hinterherschleifend.
Die meisten Inder hatten sich im Central Sporthotel in Davos Platz
niedergelassen wo sie die Herrschaft über die Bar übernommen hatten und bis
spät in die Nacht hinein tanzten und sangen.
Leistungsfähiger
Einfluss
Es war ein weiter Weg aus
Indien um am Wirtschaftsgipfel teilzunehmen – eine Reise vom Rande der
Weltangelegenheiten ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Als die indischen Businessleute anfingen sich seit den 90-er Jahren in Davos
zu zeigen, war die Anwesenheit des Landes kaum wahrnehmbar gewesen.
Im Jahre 1992, das Jahr nachdem Indien seine Wirtschaft liberalisiert hatte,
gab es einen Interessenstoß von ausländischen Geschäftsmännern und sobald
kam die erste Koalitionsregierung mit all seinen Widersprüchen und
Irritationen zustande. 1996 kam diese Regierung an die Macht und die Verbesserungsbemühungen
versickerten allmählich.
Danach war “das Interesse mehr als höflich”, erzählt Jamshyd Godrej,
Hauptgeschäftsführer von Godrej & Boyce India sowie Davos-Stammbesucher.
Mit der Technologiekonjuktur begann der Vorsprung Indiens wieder zu wachsen,
besonders als die Wirtschaft des Landes nach außen hin geöffnet wurde.
Bereits im Jahr 2004 war Indien beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos ein heißes
Diskussionsthema, vor allem was das Thema Outsourcing anbelangte. Unterdessen
baute das Land seine Präsenz soweit aus, dass auch andere Erdteile davon
Notiz nahmen. Ajay Khanna, der Abgeordnetengeneraldirektor des Bündnisses der
indischen Industrie sowie das Rückgrat was die Werbung der indischen
Ereignisse in Davos anbelangt, erinnert sich, wie Infosys-Chef Nilekani vor
einem Jahr zu ihm kam und sagte: „Die indische Wirtschaft macht sich gut momentan.
Wir sind nun immer mehr das Backoffice der Welt. Unsere Demokratie ist robust,
Yoga ist globalisiert worden, Bombay Dreams läuft in den Musicals am
Broadway, Bollywood ist heiß und die Spiritualität liegt voll im Trend.
Wieso sind wir dann nicht überall in Davos?“
Zeichen
von Anmaßung?
Auch in der geopolitischen
Arena erreicht Indien eine dominante Stellung sowie den dazugehörigen
Respekt. Nach dem 11. September hat das Land gezeigt, dass es als
herangewachsenes Land der Nuklearenergie mithalten kann. Dieses neue
internationale Vertrauen ist auch im Geschäftssektor sichtbar geworden
seitdem indische Firmen beginnen in Übersee Bezüge und Beziehungen
herzustellen.
“All unsere Enten sind nun in einer Reihe”, sagt Nilekani, “Indien wird
in diesem Jahr einen Wachstum von 8% als Demokratie haben. Die Demokratie
erlaubt Meinungsfreiheit die die Kreativitäten hervorrufen. Diese Kreativität
gestaltet eine Kultur die populär ist.“
Einige sehen ein Zeichen der Anmaßung im Stolz Indiens. Wie kann das Land
Anspruch zum Status einer aufsteigenden Supermacht erheben wenn noch so
viele Probleme vorhanden sind – von der massiven Armut über unzureichender
Infrastruktur bis hin zu einem großen Defizit im öffentlichen Sektor?
Was geschieht wenn dieser Boom plötzlich über Nacht aufhört wie es bereits
in Russland oder Brasilien passiert ist? Nilekani schiebt solche Bedenken zur
Seite: „Ja, es könnte ein Ego-Trip für Indien werden, aber dafür muss man
erstmal von allen Seiten und Winkeln angehört werden!“ Die Besucher vom
Weltwirtschaftsgipfel in Davos bekamen dieses Jahr wohl einiges in epischer
Breite zu hören.
Trotz
allem ist das Weltwirtschaftsgipfel dieses Jahr mit einer positiven Bilanz –
auch für Indien – zu Ende gegangen und die Gäste blicken bereits gespannt
auf das nächste Jahr. Bis dahin wird sich wohl noch einiges entwickeln. Seien
auch wir gespannt! >>
Offizielle
Seite vom Weltwirtschaftsgipfel: http://www.weforum.org
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