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Börse

 

Indien überholt China
Experten entdecken den Subkontinent - Software- und Pharmamittel favorisiert

Berlin. Im alten Kampf um die wirtschaftliche Vorherrschaft in Asien hat Indien gegen über China einen Schritt aufgeholt. Der Subkontinent gehört laut Ratingagentur Moody's jetzt auch zum Kreis der Nationen mit einer guten Bonität (Investment Grade). Die Aufstufung verfehlte ihre Wirkung nicht. Der indische Aktienindex Sensex schoss zu Wochenschluss rund vier Prozent in die Höhe. Damit verschiebt sich das Kräftegleichgewicht zwischen den asiatischen Rivalen weiter zu Gunsten Indiens. Schließlich gelten beide Staaten als Wirtschaftsmächte der Zukunft, die um das globale Kapital der Anleger kämpfen. China kann für sich verbuchen, 2003 mit 53 Mrd. Dollar die meisten ausländischen Direktinvestitionen anzuziehen. Dagegen verbuchte Indien im vergangenen Jahr gerade einmal einen Zufluss von 3,5 Mrd. Dollar. Unverhohlen spielt die Citigroup in einer aktuellen Studie die beiden Nationen gegeneinander aus. Ergebnis: Die größeren Chancen liegen in Indien. Dies ist der Tenor bei fast allen großen Geldhäusern. Die Argumente sind stets die gleichen. Indien haben gegenüber China großes Aufholpotenzial: Das Pro -Kopf-Einkommen - vor zehn Jahren noch in etwa gleich - liege jetzt gerade einmal halb so hoch wie beim Nachbarn. Außerdem können die Investoren auf eine Beschleunigung des Reformtempos in diesem Jahr hoffen. So stehen wichtige Wahlen auf der Agenda, die die marktfreundliche indische BJP gewinnen dürfte. Sollte das Wetter mitspielen und der Monsun die Landwirtschaft beleben - ein Viertel des indischen Bruttoinlandsproduktes werden im Agrarsektor erwirtschaftet - könnte die Lücke zum Reich der Mitte weiter geschlossen werden.

Die Börse hat bereits im vergangenen Jahr China abgehängt. Und dies könnte auch 2004 so sein. Die Experten überbieten sich mit optimistischen Kurszielen. JP Morgan erwartet den Sensex am Jahresende bei 6700 Punkten ganze 15 Prozent höher als heute. UBS sieht das Kursbarometer sogar bei 7240 Punkten und damit einen Anstieg um 25 Prozent. Den Vogel schießt ABN Amro ab. Die Profis prognostizieren den Sprung über die 10.000-Punkte-Marke. Bis 2008 werde der Sensex bei 10.500 Zählern liegen. Dazu müsse der Index jährlich lediglich um zwölf Prozent zulegen. "Das ist der durchschnittliche Trend seit 1991", sagt Sanjeev Mohta, Stratege bei ABN Amro in Mumbai.

Sämtliche Experten machen klar, dass Indien nichts für kurzfristig agierende Anleger, sondern nur für Investoren mit langem Atem ist. Denn nach der Kursverdoppelung im vergangenen Jahr könnte es kurzfristig durchaus zu Rückschlägen kommen. Doch auf längere Sicht sollten Anleger beim Boom dabei sein. "Indien gehört langfristig zu den interessantesten Märkten weltweit", unterstreicht Hanns Hölzl, Fondsmanager bei Union Investment.

Zu den Favoriten der Profis gehören vor allem Autowerte. So stehen Tata Motor, M&M sowie Maruti ganz oben auf der Kaufliste aller Investmentbanken. Diese Titel sollten vom erwarteten Konsumboom besonders profitieren. Als Infrastrukturgewinner setzen Experten auch auf den Zementhersteller Grasim.

Quelle: morgenpost.de, 24.01.2004
(gefunden von Betty Cherian)

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