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von Cyril Alias

Firmenprofile
Mittal Steel Company - Indiens neuester Stolz so hart wie Stahl

 
Manche, wie z.B. das Wall Street Journal, erkennen die typisch indischen Tugenden der heutigen Zeit in der Mittal Steel Company wieder – Freundlichkeit, Selbstbewusstsein und Optimismus.

Denn genau dies (Zuversicht, Freundlichkeit und eine gesunde Portion Selbstvertrauen) schlägt einem entgegen, wenn man sich auf den Weg zum Firmensitz der Mittal Steel Company im Zentrum von Rotterdam macht. Edles Ambiente, freundliche, elegant gekleidete Empfangsdamen, die sich unverzüglich nach meinem Befinden und dem Ansinnen meines Besuches erkundigen – das sind die ersten Eindrücke bei einem Besuch am Hofplein. Bezeichnenderweise ist nämlich dieses zuversichtliche, aufmerksame und vor allem moderne Auftreten des Empfangspersonals ein Abbild genau jener Attribute, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren zum weltgrößten Stahlproduzenten entwickeln lassen hat.

Das Familienunternehmen (90% der Anteilsscheine sind in Familienbesitz) ist mittlerweile in 16 Ländern auf vier Kontinenten tätig, darunter in den Kernmärkten USA, Kanada, und China, und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz von 28,1 Mrd. US$ durch die Verschiffung von weltweit unerreichten 49,2 Millionen Tonnen Stahl. Die Familie ist auch sonst sehr präsent - Sohn Aditya Mittal ist Finanzvorstand, Tochter Vanisha sitzt im Aufsichtsrat. 224000 Mitarbeiter (aus knapp 50 verschiedenen Nationalitäten) bringt das an den Börsen in New York und Amsterdam gelistete Unternehmen in Lohn und Brot. Der starke und treue Stamm von 5000 Kunden ist über 150 Länder der Welt verstreut und in verschiedensten Branchen tätig, beispielsweise in der Automobil- oder der Elektronikindustrie. In der Kategorie Umsatz jedoch ist der luxemburgisch-französisch-spanische Konkurrent Arcelor mit 37 Mrd. US$ die globale Nummer 1.

Während die gesamte Branche unter den Einflüssen der Globalisierung und des daraus entstehenden Konsolidierungsdrucks der vergangenen Jahrzehnte stand, hat es CEO Lakshmi N. Mittal verstanden, die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen, und kaufte eine Reihe kleinerer Stahlfirmen auf, darunter eine beträchtliche Anzahl privatisierter Ex-Staatsunternehmen. Die Umgestaltung der Arbeitsweise dieser zugekauften Firmen manifestierte sich in der Ausrüstung mit modernsten Förderungs- und Produktionsanlagen und –techniken, wie z.B. die Verwendung des sog. DRI (Direct Reduced Iron), sowie in der Einführung einer einheitlichen, umspannenden Unternehmensstrategie. Die Aktivitäten reichen von der Förderung bis zur Schmelzung/Verarbeitung, die Produkte dementsprechend von halbfertigem Stahl über Flach- und Langprodukten, Stangendraht, Röhren und beschichtetem Stahl bis hin zu weiteren Produkten allerhöchster Qualität.

Begonnen hat alles mit der Stahlschmelze von Vater Mohan Lakshmi, einem Kaufmann aus Rajasthan, in Kolkata. Nach dem College kam auch Sohn Lakshmi Narayan Mittal in die Firma. Mitte der 1960er sanierte er dann ein marodes zugekauftes Stahlwerk in Indonesien mit ansehnlichem Erfolg. Kasachstan, Trinidad & Tobago, Afrika - jenes Konzept wurde daraufhin in der Folge noch oft wiederholt, das wiederum beträchtlich zur Expansion des eigenen Stahlreiches führte. Besonders daran war vornehmlich die latente Konzentration auf Länder und Märkte, die nicht unbedingt als Zentren und Kernmärkte des Stahlgeschäfts bekannt waren. Ein ehemaliger Konkurrent und Wegbegleiter Mittals, Senator Horst Weitzmann, sagte im vergangenen Jahr, das Besondere an Mittal sei seine verschiedene Art, Geschäfte zu machen - Die Gespräche hätten oft bei ihm zuhause stattgefunden, der kleine Junge (gemeint ist Sohn Aditya Mittal) habe meistens mit am Tisch gesessen, und man habe oft von irgendwelchen, auf dem Blick konzeptlos wirkenden, Zukäufen in aller Welt gehört. Heute jedoch habe er großen Respekt vor den Leistungen des Nachfahren einer Marwari-Familie aus Rajasthan.

„Management by instinct“ statt „management by surprise“: Seine Ziele hat Mittal niemals aus den Augen verloren und grundsätzliche kapitalistische Regeln immer konsequent befolgt – unrentable Stahlwerke wurden wieder veräußert, allein die effiziente Erreichbarkeit der selbst gesteckten wirtschaftlichen Ziele (v.a. Kostensenkung, Orientierung am Nachfragemarkt, Entlassungen und Einführung flacher Hierarchien) schien entscheidend.

Das Konzept führte ihn 1995 auch nach Deutschland, genauer zu den Hamburger Stahlwerken, die er ebenfalls aufkaufte. Im selben Jahr wurde das Stahlunternehmen Ispat International durch Mittal gegründet. Der Expansions- und Zukaufstrend setzte sich unverändert fort bis 2004.  Seitdem hält Lakshmi N. Mittal die oberste Position der „Mittal Steel Company“ inne, einem Ergebnis einer Fusion per Aktientausch zwischen Ispat International und LNM Holdings (ebenfalls Mittal Group gehörend) auf der einen Seite und der US-amerikanischen International Steel Group auf der anderen. Entstanden ist so der weltgrößte Stahlproduzent.

Und die Konzentration in der Stahlindustrie geht unvermindert weiter – nicht zuletzt auch durch Mittals eigenes Zutun: Derzeit ist Mittal Steel fast täglich in den Schlagzeilen im Rahmen der feindlichen Übernahme des größten Konkurrenten, Arcelor. Im Juni 2006 bot Mittal 28 Mrd. US$ für die Übernahme, Arcelor lehnte jedoch ab. Lakshmi Narayan Mittal selbst lebt mit Ehefrau Usha in Kensington Palace Gardens in London und gehört laut Forbes zu den drei reichsten Männern der Welt. Sein Diplom erhielt er als Bachelor of Commerce von der St. Xavier’s College in Kolkata. Mittal sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten und Gremien, unter anderem im Exekutivkomitee des International Iron & Steel Institute sowie im Direktorat der ICICI Bank.

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