|
Inder haben es in der Boombranche der Informationstechnologie weit gebracht.
In den aufregenden 90er Jahren hatte der Weg zur Weltspitze für viele
ehrgeizige Computer-Inder nur eine Richtung: raus aus Indien. Doch der Wind
hat sich gedreht.
"Die
Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften vor einigen Jahren kommt
Indien jetzt zugute", sagt Sudindra Hangal, der selbst aus den USA in
seine Heimat zurückgekehrt ist. "Jetzt dreht sich der Trend um und
bringt Arbeitskräfte zurück, die in den USA und anderswo ausgebildet wurden
und Erfahrungen gesammelt haben", stellt der Software-Entwickler fest.
Bessere Möglichkeiten
als im Ausland
Nach fünf Jahren beim
US-Computerriesen Sun Microsystems in den Vereinigten Staaten kam Hangal vor
vier Jahren ins südindische Bangalore. Hier begann der Boom der indischen
Informationstechnologie, hier eröffneten internationale und indische
Unternehmen reihenweise Entwicklungszentren. "Es ist ein guter Zeitpunkt,
in Indien zu arbeiten, weil die meisten Firmen ausbauen", erzählt der
IT-Experte. "Als Rückkehrer kann man den Arbeitsbereich wechseln. Ich
bekam hier zum Beispiel die Möglichkeit, ein eigenes Team aufzubauen. Diese
Chance hätte ich in den USA wahrscheinlich nicht gehabt. Das bringt neue
Erfahrungen und Fähigkeiten, die mir hoffentlich insgesamt helfen."
25.000 indische
Computerexperten haben die Vorteile ihres Heimatlandes in den vergangenen vier
Jahren entdeckt und sind zurückgekehrt, schätzt der Branachenverband Nasscom.
10.000 waren es allein im vergangenen Jahr. Die Branchenkrise in manchen
amerikanischen und europäischen Unternehmen spielte dabei eine Rolle, familiäre
Gründe und die zunehmende Attraktivität des Technologie und
Wirtschaftsstandorts Indien.
Das gute
Gefühl, etwas zurückgeben zu können
Viele
Rückkehrer haben aber auch den Drang, etwas für ihr Heimatland tun zu
wollen. Sai Prasad Koneru etwa: "Ich hatte von Anfang an das Gefühl,
wieder nach Indien zurückkehren zu müssen und hier etwas aufzuziehen",
sagt der Software-Experte aus dem südindischen Hyderabad. "Es macht mich
stolz, jetzt etwas für mein Land, meine Gesellschaft, meine Kultur zu tun.
Etwas zurückgeben zu können, indem ich hier beispielsweise Arbeitsplätze
schaffe, gibt mir ein gutes Gefühl."
Koneru hat jahrelang
Erfahrungen in Großbritannien, Japan und auch in Deutschland gesammelt. Statt
im Ausland zu bleiben hat Koneru mit einem deutschen Geschäftspartner seine
eigene Firma eröffnet. So finden die Rückkehrer aus den USA, Großbritannien,
Deutschland und anderswo nicht nur zunehmend attraktive Jobs in Indien,
sondern sie verändern auch die indischen Firmen. Traditionell sehr
hierarchisch, bürokratisch und autoritär ausgerichtet, bekommen sie durch
die Rückkehrer frischen Wind.
"Kultur
der Kreativität und Innovation"
Durch Shajid Mohammed etwa:
"Der größte Unterschied ist die Kultur, eine Kultur der Kreativität
und Innovation, wo man keine Angst hat, Fragen zu stellen, Dinge in Frage zu
stellen und zu verändern." Mohammed war gleich nach dem Studium nach
Texas gegangen und zwölf lange Jahre geblieben. Als er vor zwei Jahren nach
Indien zurückkehrte und bei einer Internetfirma in Hyderabad anfing, schüttelten
viele Freunde und Bekannte die Köpfe.
"Tendenziell sagt man
hier: geh ins Ausland, verdiene Geld", sagt Mohammed. "Wenn du zurückkommst,
bist du verrückt, weil du die Chance vergibst, noch mehr zu verdienen."
Doch der Mythos des Billiglohnlandes Indien stimmt längst nicht mehr. Viele
Firmen hier haben erkannt, dass sie qualifiziertes Personal nur mit
ordentlichen Löhnen halten können. Und dank internationaler Aufträge können
sie sich das inzwischen auch leisten.
Gehälter
in Indien deutlich gestiegen
"Geld ist für Rückkehrer
inzwischen kein Thema mehr", meint A.S. Murthy, Personalchef von Satyam,
das mit etwa 20.000 Mitarbeitern einer der indischen Computer-Riesen ist.
"Die Rückkehr nach Indien ist attraktiv geworden. Erstens haben sie in
den vergangenen 15, 20 Jahren viel Geld im Ausland verdient und zweitens sind
die Gehälter in Indien gestiegen. Auf der Führungsebene haben wir fast
aufgeschlossen. Nicht was die Bruttogehälter angeht, aber bei dem, was übrig
bleibt."
Dennoch leben die Rückkehrer
in einem Indien, das immer noch unter Stromausfällen, Wassermangel und
Verkehrsinfarkt leidet. Ein Indien, das von Korruption, Ineffizienz und Bürokratie
geplagt wird, beklagt der Programmierer Mohammed. "Die Bürokratie ist
frustrierend. Und ich mache meinem Ärger auch Luft. Schließlich bin ich
Kunde und habe Rechte - auch wenn das hier manchmal nicht anerkannt
wird."
Rückkehrer
sind hohe Ansprüche gewohnt
Lautstark verlangen zurückkehrende
Inder bessere Infrastruktur, besseren Service und moderne Technik. Und sind
damit ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Entwicklungsland Indien.
Die hohen Ansprüche der Rückkehrer kommen am Ende ihren neuen Arbeitsgebern
zugute, meint auch Personalvermittler A.K. Menon: "Die Rückkehrer
brachten eine gewisse Würze in die indischen Unternehmen, die das sehr nötig
hatten, um neuen Kunden zu gewinnen, die alten zu halten und deren Wünsche
besser zu erfüllen."
Quelle: tagesschau.de
ARD Hörfunkstudio Neu Delhi, 21.05.2005
|